Der unterschätzte, letzte Vertreter einer goldenen Zeit
Story
Wusstet ihr, dass die Reblaus dafür verantwortlich war, dass Ende des 19. Jahrhunderts Destillen wie Glen Elgin überhaupt erst entstehen konnten? In Frankreich wütete dieses Insekt ab 1865 in den Reben Frankreichs und brachte neben der Wein- auch die Cognacproduktion fast komplett zum Erliegen. Durch diese Lücke am Markt erlebte der schottischen Whiskys einen beispiellosen Boom, die Nachfrage überstieg bei weitem das Angebot. In der Folge entstanden in der Speyside etwa 20 neuen Destillen, um den immer größeren Bedarf decken zu können.
Glen Elgin wurde ab 1898 gebaut, als die sogenannte „Pattison Krise“ ihren Anfang nahm. Die betrügerischen Machenschaften rund um dieses Whiskyimperium führten zu extremer Überproduktion und einem gigantischen Preisverfall. Als bei Glen Elgin im Jahr 1900 die Destillation begann, war der schottische Whiskymarkt am Ende – nach nur wenigen Monaten wurde die Destille wieder geschlossen und schließlich zwangsversteigert. Nach einer sehr wechselhaften Geschichte mit zahlreichen Wiedereröffnungen, Schließungen und Besitzerwechseln gehört Glen Elgin heute zu Diageo. Der Malt ist bis heute ein Kernbestandteil des „White Horse“, eine der bekanntesten Blendmarken der Welt, die in Deutschland jedoch kaum jemand kennt.
Als ein Produkt des Speyside-Booms war Glen Elgin schon während der Konzeption auf den Geschmack optimiert worden, den der Markt wegen der Cognac-Krise vermisste: Süße, komplexe Fruchtigkeit, die häufig als „flüssiger Obstkuchen“ beschrieben wird. Diese entsteht durch eine sehr langsame Fermentation und Destillation. Außerdem kommen hier die inzwischen selten gewordenen „worm tubes“ zum Einsatz. Diese Kühlschlangen sind auch bei Aromenmonstern wie Mortlach oder Dalwhinnie für den schweren, öligen Charakter verantwortlich. Wahrscheinlich spiegelt kein anderer Speysider den historischen Stil dieses goldenen Zeitalters so unverfälscht wider. Trotzdem ist Glen Elgin relativ unbekannt. Nach wie vor existiert kein Standard unter der eigenen Marke dieser geschichtsträchtigen und unterschätzten Destille. Eine 12 Jahre alte „Hidden Malt“ Abfüllung wird von Diageo gefärbt, filtriert und auf 43% Vol. reduziert verkauft.
Bei uns erhaltet ihr einen unfiltrierten, ungefärbten Glen Elgin in Fass-Stärke, der von Signatory nach einer Vollreifung in Ex-Bourbon in einem 1st Fill Amarone Fass gefinished und mit edlen 16 Jahren abgefüllt wurde. Der perfekt ausgereifte Brennereicharakter erhielt damit eine zusätzliche Dimension von satter Fruchtigkeit.