Die legendäre Wiege des irischen Whiskeys
Story
Bereit für eine kleine, irische Geschichtsstunde? Dann schenkt euch einen Whiskey ein und macht es euch bequem, ich fange jetzt so oder so an!
Nachdem die Mönche das Verfahren der Destillation etwa um das Jahr 1000 auf die Grüne Insel gebracht hatten, brannten sie den Kornbrand „Aqua Vitae“ hinter ihren trutzigen Mauern und verkauften ihn an die umliegenden Bauernhöfe. Beim Volk wurde der “belebende Wasser” schnell sehr beliebt und als „Uisce Beatha“ bekannt, die gälische Übersetzung von „Wasser des Lebens“. Mit den Jahren verbreitete sich das Geheimnis seiner Herstellung. Zum großen Ärger der Klöster (sie hatten mit dem Verkauf gutes Geld verdient) und der britischen Krone (sie war an den Erträgen der Klöster beteiligt) stellte bald jede Farm mit Hilfe einer kleinen, selbstgebauten Kupfer-Brennblase (Pot Still) auf Basis des verfügbaren Grundstoffes wie Getreide, Kartoffeln oder auch Rüben seinen eigenen Brand her. Der Name für dieses Hausdestillat lautete „Poitín“, was soviel wie „kleiner Topf“ bedeutet. Jahrhundertelang war der „Poitín“ das Nationalgetränk und die wichtigste Spirituose Irlands. Um den Ertragsausfall zu kompensieren, vergab das britische Parlament ab 1608 teure Lizenzen für die Herstellung. Als offizielles Produkt wurde das „Uisce Beatha“ nun auf Getreidebasis destilliert und in Fässern gelagert, erstmals in der “Old Bushmills Distillery”. Das war die Geburtsstunde des sogenannten „Parliament Whiskey“. Aus ihm entwickelte sich der moderne, irische Whiskey. Da aber auch ohne Lizenz auf jedem Bauernhof munter weitergebrannt wurde, erhob die britische Krone ab 1661 hohe Steuern auf die „Craft Destillation“, wie man es heute nennen würde. 1668 hatte King Charles schließlich die Faxen der unfolgsamen Bauern dicke und verbot die private Alkoholherstellung schließlich komplett – der Beginn der illegalen Schwarzbrennerei.
Während die Krone auf ihrem teuren Whiskey weitgehend sitzenblieb, florierte der Poitín als nachts heimlich gebrannter „Moonshine“. Da die Steuereintreiber und Gesetzeshüter ständig lauerten, wurde er nur in kleinen Mengen produziert und entsprechend schnell verbraucht. Er sah so gut wie nie ein Fass von innen und blieb ein klarer, aromatischer Brand. Leider aufgrund der Produktionsbedingungen oft mit gesundheitsgefährdenden Ergebnissen. Sein Stern sank daraufhin bei den Iren.
Als das Volk durch die Industrialisierung zu mehr Wohlstand kam, wurde der hochwertig hergestellte und gelagerte Whiskey für jedermann erschwinglich und löste den in Verruf geratenen Poitín als Nationalgetränk ab. Doch ganz in Vergessenheit geriet das rebellische, verbotene Getränk nie. Der Schwerpunkt seiner Herstellung verlagerte sich in die Grafschaft Donegal. Dort stellte unter anderem der legendäre Schwarzbrenner Frank Carr ab den 1930er Jahren einen handwerklich produzierten und extrem beliebten Poitín her. Kurz vor seinem Tod übergab Carrs Ehefrau das Rezept an ihren Enkel James Doherty, der später die renommierte Ardara Distillery gründe. Als die Herstellung 1997 wieder legalisiert wurde, erhielt die traditionsreiche Spirituose sogar einen geschützten, geografischen Status. Heute produziert James Doherty nach dem Originalrezept seines Großvaters den „Frank Carr Poitín“. So hat der Urahne des Irish Whiskeys schließlich in der kräftig torfigen Variante „Loinnir“ seinen Weg in unseren Shop und unsere Gläser gefunden. Slainte!